Türkismühle - Mittelpunkt der Gemeinde Nohfelden

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Ortsgeschichte Türkismühle

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Ortsgeschichte Türkismühle

 

Türkismühle, ein kleiner Ort in der Gemeinde Nohfelden mit 760 Einwohnern, liegt eingebettet in einem schmalen Tal der Nahe zwischen dem Türkenkopf (488 m) und dem Meckenheimer Hang (456 m).

 

Das Zentrum des Ortes wird von einer großen Bahnanlage gebildet, einer wichtigen Haltestelle der Linie Saarbrücken-Bingerbrück. Söterbach und Furtbach fließen hier in die Nahe, die bis zu ihrer Mündung in den Rhein die Bahn begleitet.

 

In der Nähe des Bahnhofes bei der Pizzeria „Da Franco“, dem früheren Haus Mathieu, im Flur „In der Allerbach“ gelegen, stand früher die Türkis-Mühle.

 

Die Heimatfreunde Türkismühle fanden bei Recherchen im Landesarchiv in Speyer den

Erbbestandsbrief aus dem Jahre 1747, in dem der Nachweis des Mühlenbaus durch den Müller Türkis dokumentiert ist und so das genaue Entstehungsdatum der Mühle bekannt ist:

 

„Johann Jacob Dürck, welcher nach erhaltener gnädigster Erlaubnis mit seinem vorgehabten Mahl- und Ölmühlen-Bau in der Allerbach unfern der Söterbrücke dieses Jahr den Anfang gemacht, soll davon 1 Malter Korn und 5 Gulden an Geld, und zwar auf Martini  1748 zum ersten Mal liefern und zahlen. 27. März 1747“

 

Für 100 Jahre waren die Mühle und die dazu gehörende Scheune die einzigen Häuser in der damals noch weitläufigen Tal-Aue der Nahe unterhalb der Einmündung des Söterbachs,  von welchem die Mühle durch den abgeleiteten Mühlenteich angetrieben wurde.  Die Söterbrück, etwas oberhalb der Türkenmühle,  war in der damaligen Zeit ein feststehender Begriff,  den man in Akten und Beschreibungen verschiedener Archive findet. Der an der Türkis-Mühle (auf Karten auch zeitweise Türkenmühle oder Türkheims-Mühle genannt) vorbeiführende Weg wurde von Fußgängern und Fuhrwerken benutzt, die aus der Saargegend in Richtung Nohfelden, Birkenfeld und weiter zum Rhein wollten.

 

In den heutigen Ortsgrenzen liegt allerdings ein noch älteres Anwesen, das beim Bau der Mühle schon bestand: der Holzhauserhof. Dort war zu jener Zeit ein Gestüt der Herzöge von Zweibrücken, später des Herzogs von Oldenburg. Heute ist das Gebäude Teil der saarländischen Forstverwaltung.  Den untergegangenen Ort Holzhausen, der im Umkreis des Holzhauserhofes lag, findet man ebenfalls in Archivunterlagen aus der Zeit vor 1700. 

In den Jahren 1820-1840 wurden die Straßen in Richtung Tholey-Saarlouis  und Trier in der gegenwärtigen Wegeführung gebaut. Bis dahin bildeten heute noch vorhandene Wege (damalige Feldwege), die Hauptstraßen unseres Ortsbereiches, so z. B. „Auf dem Ebert“ ,  die  „Von-Boch- Straße“ und „Auf dem Bühl“.

Mitte des 19. Jahrhunderts beschloß die Kaiserliche Regierung den Bau der Rhein-Nahe- Bahn. Wegen des Zusammentreffens der Straßen von Trier und Saarlouis und auch der örtlichen Gegebenheiten - mit Platz zur Ausdehnung des Bahnhofes -, wurde von den Planern die Nahe-Aue hinter der zwischenzeitlich  „TÜRKISMÜHLE“ genannten Mühle als Standort eines Bahnhofes gewählt. Der Bau der Bahnanlage gestaltete sich allerdings alles andere als einfach. So mußten Sprengungen vorgenommen werden, das Nahetal wurde fast komplett aufgefüllt und das Bachbett verlegt und reguliert. Oberhalb der Mühle baute man eine Brücke über den Fluß, die den Zugang zum Bahnhof und den Gleisanlagen ermöglichte.

 

Der 15. Mai 1860 kann als  eigentliche Geburtsstunde unseres Ortes gelten, denn an diesem Tag wurde die Bahnlinie offiziell eröffnet.

 

Vorbei war es mit Stille und Einsamkeit im oberen Nahetal, Fortschritt und Entwicklung

hielten Einzug. Ein weites Hinterland war auf den neuen Bahnhof angewiesen: aus den Gebieten um Freisen, Wolfersweiler, Sötern, Hermeskeil, Selbach und Primstal brachten Bauern und Handwerker ihre Erzeugnisse mit Fuhrwerken zur Bahn, so daß die Straßen oft überlastet waren. Viele Arbeiter, die zum Teil auch aus dem Hochwald kamen, benutzten die Züge zu ihren Arbeitsstätten in den Gruben und Hütten des Saarlandes.

 

Dort wo früher Grund und Boden für einige Kreuzer gehandelt wurden, zahlte man nun über 22 fl  (1fl = 1 Gulden, Gegenwert ca. 10,10 €)  pro Quadratrute (seit Mai 1816 in Preußen 14,186 qm ), also über 15 € pro qm.

 

Geschäftstüchtige Leute sahen dennoch bald ihre Chance. Es entstanden Wirtshäuser und Läden u.a. das Anwesen von Peter Seibert (Hotel zur Post – später Hotel Zwetsch) mit Wirtschaft, Ladenbetrieb und Posthalterei, das Geschäftshaus Wommer (heute Haus König) mit Maschinenfabrik, Eisenwarenhandel und Wirtschaft, das Gasthaus Roth (heute Gasthaus Schreiner) mit Metzgerei, die Bäckerei Casimir Hartmann (heute Haus Bernardon) und die Gastwirtschaft Schulze (heute Kreissparkasse). Auch in der Türkis-Mühle befand sich bis zum ihrem Abriß Ende der 1870er Jahre eine Schankwirtschaft.

 

Ein weiteres Bahnprojekt, die „Hochwaldbahn“, die Trier mit der Rhein-Nahe-Linie verbinden sollte, wurde in Angriff genommen und 1897 eröffnet.

 

1914 brach der 1. Weltkrieg aus. Nach dessen Ende wurde aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrages das Saargebiet vom Deutschen Reich abgetrennt und dem Völkerbund unterstellt. Türkismühle wurde deutsche Zollstation. Für die Zöllner mußten neue Wohnungen gebaut werden (die „alten“ Zollhäuser). Da die Zahl der Bahnbediensteten sich erhöhte, errichtete man am Meckenheimer Hang Anfang der 20er Jahre ebenfalls neue Wohnhäuser, die Eisenbahnsiedlung. In Bahnhofsnähe entstanden Speditionen und Wechselstuben, die durch die Zollgrenze erforderlich wurden.

 

Um auch die Gebiete im Raum Kusel an das Verkehrsnetz der Bahn anzuschließen, begann man Anfang der 30er Jahre mit dem Bau der Linie Türkismühle-Kusel. 1936 wurde die Strecke ihrer Bestimmung übergeben.

 

Etwa 1935 errichtete man ein RAD-Lager an der Söterstraße. Die Arbeiter begradigten die Nahe und den Söterbach und wurden auch bei der Ernte eingesetzt. Einige Jahre später zog der Bau des Westwalls viele Baufirmen nach Türkismühle, die ihre Büros und Unterkünfte hier einrichteten.

 

Dann begann der 2. WK, unter dem auch unser Ort sehr zu leiden hatte. Flüchtlingskolonnen aus dem saarländischen Raum wurden von hier aus per Bahn weiterbefördert. Die strategisch wichtige Bedeutung der Bahn machte Türkismühle zu einem bevorzugten Ziel alliierter Luftangriffe. Am 22. Februar 1945 erfolgte gegen 15 Uhr ein schwerer Angriff, bei dem der Bahnknotenpunkt, das Postamt, das Hotel Zwetsch, das Gasthaus Schulze und viele Privathäuser völlig zerstört wurden. Im Luftschutzkeller des Hotels fanden mehr als 40 Personen den Tod. Kurze Zeit später, am 17. März, eroberten die Amerikaner kampflos den Ort. Tage zuvor mußten jedoch etliche Soldaten in und um Türkismühle ihr Leben lassen. Ein Ehrenmal auf unserem Friedhof erinnert an die Gefallenen.

 

Der 1. September 1946 war ein besonderer Tag. Türkismühle, das bisher zu Nohfelden gehörte, wurde selbständige Gemeinde. Politisch wurden wir dem Saargebiet, das nun Saarland hieß, angegliedert. Mit der Einführung des französischen Franc als allein gültigem Zahlungsmittel war die wirtschaftliche Trennung zum früheren Reichsgebiet vollzogen. Türkismühle wurde zum zweiten Mal Zollstation, nun französische. Für die Zöllner baute man weitere Wohnungen an der Söterstraße. Gegenüber dem Holzhauserhof entstanden die „neuen Zollhäuser“. Am 1.1.1957 erfolgt die  Rückgliederung des Saarlandes an die Bundesrepublik  Deutschland. Im Rahmen der Saarländischen Gemeindereform gehört Türkismühle ab 1974 wieder als einer von 12 Ortsteilen zur Großgemeinde Nohfelden.

 

Die Möbelfabrik Hubert Schmidt, die neben der Molkerei errichtet wurde, gehörte zu den aufstrebenden Unternehmen in Türkismühle. Fast 125 Jahre wurde durch die Firma Villeroy und Boch aus Mettlach in dem Türkismühler Werk Feldspat verarbeitet, der aus der zugehörigen Grube gewonnen und hauptsächlich für die Herstellung von Fliesen benötigt wurde. Das Werk war bis 2010 noch in Betrieb und wurde 2013 abgerissen. Auch die lange Zeit leerstehenden Hallen der ehemaligen Wommerwerke wurden vor einigen Jahren abgerissen. An gleicher Stelle eröffnete 2013 das Architekturbüro Finkler.

Neuerbaut wurden Anfang der 1950er Jahre auch eine moderne Volksschule und in unmittelbarer Nähe eine hauswirtschaftliche Berufsschule. Später kam eine evangelische Volksschule hinzu. 3 Jahre nach Ende des Krieges konnte die erste katholische Kirche (die sog. „Notkirche“) eingeweiht werden. Ein Friedhof wurde angelegt und 1959 auch eine evangelische Kirche gebaut. Neue Wohngebiete auf dem Ebert, dem Bühl und dem Weiherhügel boten jungen Familien die Möglichkeit zur Ansiedlung.

 

1968 wurde auch die Notkirche abgerissen und eine neue größere Kirche gebaut. 4 Jahre später konnte auch das neu errichtete Schulzentrum – die heutige Gemeinschaftsschule –

eingeweiht werden.

 

Der Bahnhof wurde durch die Stilllegung der Linien aus Trier und Kusel vom Bahnknotenpunkt zum Durchgangsbahnhof. Durch die Aufwertung des Bostalsees mit einem großen Ferienpark ist auch eine bessere Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr notwendig geworden. Ein zentraler Busbahnhof wird in absehbarer Zeit entstehen ebenso wie ein Verkehrskreisel, der die bisherige Verkehrsinsel in der Ortsmitte ablöst.

 

Im Juli 2013 konnte auch ein neuer Lebensmittelmarkt eröffnet werden. Gegenüber, auf dem Gelände des ehemaligen Feldspatwerks, werden zwei weitere kleinere Märkte entstehen.

 

 

 

Text: Heimatfreunde Türkismühle